HobbyVorhang auf!

Das Amateurtheater gilt als anspruchsvolles Hobby. Braucht Selbstbewusstsein und kostet viel Freizeit. Jede Theatergruppe ist anders, von der Auswahl des Stücks über die Rollenverteilung bis hin zu Bühnenbau und Anzahl der Aufführungen vor unterschiedlich großem Publikum. Wir durften bei vier Uhlmann Kolleg*innen einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Fabian Müller, Thea­ter­gruppe Ingol­dingen

Fabian Müller spielt seit 1998 Theater. Nach einem Jahr in einem anderen Verein kam er 1999 zur Thea­ter­gruppe Ingol­dingen und ist dort­ge­blieben. Sei es als spani­scher Kellner oder mit Hand­schellen an eine Table Dance-Stange gefes­selt, in hoch­deutsch oder schwä­bisch, der Applaus ist am Ende die Beloh­nung für die mona­te­lange Arbeit.      

Man schlüpft in viele verschie­dene Persön­lich­keiten. Das Tolle ist, es wird einem alles verziehen.

Fabian Müller, Assembly Tech­ni­cian

Zur Vorbe­rei­tung auf eine neue Rolle zählt nicht nur das Text­lernen. Um den spani­schen Kellner so echt wie möglich zu spielen, ging er sogar 3 Monate lang ins Sola­rium! Für die Rolle des Freddy Stecher ließ er sich einen Schnauzer wachsen. Auch Schmerzen muss man aushalten können, wenn man auf der Bühne von der Schau­spiel-Kollegin geohr­feigt wird. Keine Sorge, es tat nicht weh, versi­chert Fabian, aber das Publikum erschreckt sich trotzdem bei dem Geräusch, alles echt.  

Die Thea­ter­gruppe Ingol­dingen besteht schon über 40 Jahre, derzeit aus 30 Personen mit unter­schied­li­chen Aufgaben, Schau­spieler, Bühnenbau/Requisiten, Regie, Technik. Nicht zu vergessen ist die Souf­fleuse, laut Fabian die wich­tigste Person – manchmal genügt schon ein Blick von ihr und der rich­tige Text fällt einem wieder ein. Das nennt man wohl ein einge­spieltes Team! Unver­fälscht, d. h. ohne Mikro­fone, begeis­tert das Team jähr­lich in 9 Auffüh­rungen jeweils ca. 170 Zuschauer im Musi­ker­heim, immer ausver­kauft bis auf den letzten Platz. Bei der Dernière spielen die Schau­spieler unter­ein­ander gerne Streiche, z. B. ist Salz statt Zucker im Kaffee oder es kommt plötz­lich wirk­lich Wasser aus dem Dusch­kopf….

Thea­ter­gruppe Ingol­dingen

Die Proben in Ingol­dingen beginnen drei Monate vor der ersten Auffüh­rung. Auf Insta­gram gibt es weitere Infor­ma­tionen rund um die Proben und Auffüh­rungen.


Ruth Schef­fold – „Vorhan­glupfer“ Baustetten

Für Ruth liegt der Reiz des Schau­spie­lens darin, in eine völlig andere Person zu schlüpfen und deren Facetten auszu­leben. Sie genießt es, sich in einer Rolle zu verlieren und sie mit Leben zu füllen. Aller­dings erfor­dert es auch eine gewisse Vorsicht, dass diese Figur nicht unbe­wusst in den Alltag über­geht.

In den letzten 30 Jahren hat sie schon so manche Rolle bei den Vorhan­glup­fern gespielt. Vor einem Jahr­zehnt zog es sie für eine Saison zu den Fest­spielen nach Burg­rieden, wo sie als Statistin auf der Bühne stand. In jenem Jahr war sie sowohl in Burg­rieden als auch in Baustetten auf der Bühne. Fast jedes Jahr bringen die Vorhan­glupfer vier Auffüh­rungen in der Turn- und Fest­halle in Baustetten auf die Bühne, tradi­tio­nell im Oktober zum Ernte­dank, mit etwa 300 Zuschauern pro Vorstel­lung. Der Zeit­auf­wand für die Akteure ist beträcht­lich, da die Proben bereits drei Monate im Voraus beginnen, anfangs wöchent­lich – das Pensum wird nach und nach gestei­gert. Kurz vor den Auffüh­rungen herrscht immer große Anspan­nung. Auch die Unter­stüt­zung durch Fami­li­en­mit­glieder ist gefragt, sei es beim Bühnen­aufbau oder bei orga­ni­sa­to­ri­schen Aufgaben. Der Verein regelt alles in Eigen­regie.

Jede Rolle ist ein High­light.

Ruth Schef­fold, Office Manager

Ruth hat keine Lieb­lings­rolle, denn jede hat ihren eigenen Charme. Mit Stimme und Erschei­nung schlüpft sie in jede Figur und macht sie zu ihrer eigenen. Sie war bereits in viel­fäl­tigen Rollen zu sehen, unter anderem als Empfangs­dame im Hotel, Staats­an­wältin, Fitness­trai­nerin, Promi, Mönch, Mitglied im Diät­club, Dorf­tratsch­tante und Land­strei­cherin. Für letz­tere wurde ihr Kostüm spontan, kurz vor der Auffüh­rung, durch den Dreck gezogen, um den Look authen­ti­scher wirken zu lassen.

Mit dem Auswen­dig­lernen ist es so eine Sache. Je mehr Einsätze man hat, desto mehr Zeit muss man inves­tieren. Erst wenn der Text sicher sitzt, ist es möglich, die Rolle authen­tisch zu spielen und schneller in sie einzu­tau­chen.


Fabian Wahl­enmayer – Amateur­bühne Laup­heim

„Die Bremer Stadt­mu­si­kanten“, wer kennt sie nicht? Das war das letzt­jäh­rige Stück der „Amateur­bühne Laup­heim e. V.“ – einer Wander­bühne die Kinder­theater macht, und zwar Märchen, meist von den Gebrü­dern Grimm. Die ca. 30 Schau­spieler, inklu­sive Kinder ab 6 Jahren und weiterer Helfer (Schminke, Souf­fleuse, etc. ) haben im Jahr 7 Auffüh­rungen, im Vereins­heim lagern jede Menge Kulissen und Kostüme. Passend zum Thema Märchen haben auch Kinder unter 6 Jahren kleine Rollen und rennen beispiels­weise als Mäuse über die Bühne.

Ich wurde in den Verein hinein­ge­boren.

Fabian Wahl­enmayer, Produc­tion Process Engi­neer

Fabian wurde in den Verein hinein­ge­boren und hat alles schon gemacht – auf und hinter der Bühne. Seit 12 Jahren ist er der Vorstand und wird tatkräftig von seinen Eltern, seiner Frau und den zwei Töch­tern unter­stützt.

Die Bühne wandert zu den nach­mit­täg­li­chen Auffüh­rungen in die Mensa der Uhlmann-Schule, ins Kultur­haus Laup­heim, nach Dietenheim/Regglisweiler, Ober­di­schingen, Ehingen, Schmie­chen oder Munder­kingen, hier müssen alle ran – Trans­porter einladen, ausladen, aufbauen – dann wieder abbauen, einladen, ausladen…. Aus diesem Grund müssen die Kulissen – modu­lare Bauweise und alle Marke Eigenbau – entspre­chend leicht, aber stabil sein. Sie bestehen aus beid­seitig bemalten Tafeln, die 180° gedreht werden können – und schon hat man ein anderes Bühnen­bild, genial! Die Zuschauer, je Auffüh­rung zwischen 240 und 600, wollen versorgt sein und teil­weise kümmert sich die Amateur­bühne auch auswärts um den Geträn­ke­ver­kauf.

Wander­bühne Laup­heim

Wer Lust hat, eine Auffüh­rung der Wander­bühne zu erleben oder selbst mitzu­ma­chen, der findet auf der Website des Thea­ters alle Infos.


Kurt Kloos – Theater Eber­hard­zell 

Da ist man Zuschauer bei einem Thea­ter­stück, wird dann durch einen Freund zum Mitspielen animiert und schon steht man als Schau­spieler auf der Bühne! So kam Kurt Kloos 1998 zum Theater Eber­hard­zell. Seitdem hatte er schon viele verschie­dene Rollen, darunter Poli­zist, Kommissar, Bestatter, betrun­kener Hoch­zeits­gast, blinder Klavier­stimmer. Es gab aber auch Jahre, wo er nicht auf der Bühne stand und in der Technik arbei­tete, einmal war er sogar Souf­fleur!  

Bei uns ist alles harmo­nisch, das ist schön.

Kurt Kloos, Commer­cial Warehouse Specia­list

Der Verein mit seinen 40 Mitglie­dern feierte im vergan­genen Jahr 50jähriges Jubi­läum. Manche sagen, es sei das beste Theater im ganzen Umkreis. Da scheint was dran zu sein: Die 15-18 Auffüh­rungen im Jahr im Pfarr­saal in Eber­hard­zell mit jeweils ca. 200 Zuschauern sind immer ausver­kauft – mit Warte­liste!

Die Proben für die Drei­akter beginnen Anfang Oktober, die Texte werden aktweise gelernt, der Text muss bei der ersten Probe sitzen, da ist der Regis­seur streng. Die Premiere findet tradi­tio­nell am „Stefanstag“ statt, das ist der 2. Weih­nachts­fei­ertag. Auch in Eber­hard­zell wird die Bühne selber gebaut, im Verein sind hand­werk­lich begabte Mitglieder, z. B. Maler, Kostüme werden zuge­kauft oder ausge­liehen.

Nicht nur der Applaus ist der Lohn für Kurt und seine Vereins­kol­legen und -kolle­ginnen, auch springt immer ein mehr­tä­giger Ausflug raus, in Sevilla war man schon oder man geht einfach zwischen­durch mal schick essen.

Thea­ter­gruppe Eber­hard­zell


Über Kurt Kloos und seine Thea­ter­gruppe berich­tete sogar schon der regio­nale Fern­seh­sender Regio TV. Hier könnt ihr euch den Beitrag bei Regio TV aus dem letzten Jahr ansehen. Klickt dazu einfach auf das Bild:

Stolz sind Kurt & Co. auch auf den LAMATHEA, den Landes­ama­teur­thea­ter­preis, den sie im Jahr 2019 gewonnen haben für eine Mund­art­ko­mödie, in der in Versen gespro­chen wird, in denen sich alles reimt, auf Schwä­bisch natür­lich. Aller­dings musste man sie erst zur Teil­nahme über­reden, ist doch der Chef des Verbands ein großer Fan und jedes Jahr unter den Zuschauern. Die Schwä­bi­sche Zeitung veröf­fent­lichte dazu den Beitrag „Thea­ter­gruppe Eber­hard­zell gewinnt Lama­thea“.

Weitere Infos gibt es auch auf der Website der Thea­ter­gruppe Eber­hard­zell.

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