Etwa anderthalb Autostunden östlich von São Paulo liegt Jacareí, die Bierhauptstadt Brasiliens. Sie trägt diesen Beinamen, weil hier die Produktion von Bier landesweit am größten ist. Was in der breiten brasilianischen Öffentlichkeit weniger bekannt sein dürfte: In Jacareí sitzt auch Uhlmann Brasilien, seit zwölf Jahren geführt von Johannes Mayer.
Mayer kam als Projektmanager mehrmals im Jahr nach Brasilien und verliebte sich dabei in Land und Leute – beziehungsweise vor allem in seine heutige Frau. Heute führt er als Managing Director insgesamt 30 Mitarbeiter:innen im Industriegebiet von Jacareí, umgeben von anderen internationalen Firmen. Auch die Group Companies KOCH und WONDER sind hier vertreten.
Größerer Standort in Jacareí
Vor zweieinhalb Jahren zogen Mayer und sein Team einmal quer über die Straße in ein drei Mal so großes Gebäude. „So können wir auch unsere Show-Maschinen hier aufstellen“, sagt der Managing Director. In der Halle stehen Maschinen von WONDER aus China, ein Track & Trace Modul und auch Kundenmaschinen wie beispielsweise eine UPS 1030 vom Kunden Eurofarma. „Die werden wir generalüberholen und in Neuzustand bringen“, sagt Mayer.
Als Uhlmann in Brasilien Fuß fasste, bestand das Team gerade einmal aus einer Handvoll Mitarbeiter. Seitdem hat sich viel getan. Mayer: „Mittlerweile importieren wir Ersatzteile von Laupheim und China, verkaufen, vertreiben und betreuen auch die Maschinen von WONDER. Außerdem importieren wir Formate sowie elektrische und mechanische Upgrades. Anfang 2021 haben wir begonnen, Formate hier zu fertigen.“
Uhlmann in Brasilien: Service ist das Zauberwort
Das Hauptgeschäft von Uhlmann Brasilien ist das Servicing der Maschinen, rund ein Drittel aller Mitarbeiter:innen sind in diesem Bereich tätig. „Unsere Kunden hier sind hauptsächlich inhabergeführte Unternehmen wie etwa Eurofarma und EMS. An beide haben wir in den letzten vier Jahren acht Linien verkauft. Die großen Globals wie Pfizer oder Bayer sind hier auf dem Rückzug, weil der Markt für sie nicht interessant ist. Stattdessen gibt es relativ viele Generika-Firmen, die den Markt antreiben.“
Die Beziehung zu den Kunden ist gut, aber verlange, wie Mayer sagt, brasilianische Flexibilität. „Das fällt einem Schwaben manchmal schwer.“ In Deutschland sei man es gewohnt, dass – wenn ein Plan erstmal gemacht ist – Dinge nach Plan laufen. In Brasilien hingegen könne man mitten in einem Projekt stecken und plötzlich schlage der Kunde eine andere Richtung ein.
Deutsche Werte in Brasilien geschätzt
Doch die Brasilianer schätzen Uhlmann als deutsches Unternehmen und die Werte, die es verkörpert. „Wir stehen für Zuverlässigkeit – egal, ob es um Preisabsprachen oder Erreichbarkeit geht“, sagt Mayer. Dass das so bleibt, betrachtet er als seinen persönlichen Auftrag.
Das Gebiet, in dem Uhlmann Brasilien Kunden bedient, ist riesig: Argentinien, Paraguay, Uruguay, und Chile werden zum „Mercosur“ zusammengefasst. Dazu kommt Brasilien. Diese Kunden möchte Mayer mit seinem Team möglichst eigenständig versorgen. Zwar kommen ab und an auch einmal Kolleg:innen aus Deutschland, um bei Service-Einsätzen zu unterstützen, aber auch wegen der Corona-Pandemie immer seltener.
Das Leben spielt sich draußen ab
Johannes Mayer fühlt sich wohl in Brasilien. Sein Team begrüßt er in der Firma stets mit einem gut gelaunten „Bom Dia“ (Guten Tag). Das mag an der brasilianischen Sonne und dem Lebensgefühl liegen. „Wir essen an rund 300 Tagen im Jahr draußen“, sagt er. „Das Leben spielt sich hier größtenteils im Freien ab.“ In seiner Freizeit genießt Mayer dann auch in vollen Zügen, was das Leben in Brasilien zu bieten hat – Kitesurfen gehört ebenso zu seinen Hobbies wie Standup Paddling.
Langweilig wird es auch im Beruf nicht. „Brasiliens Wirtschaft ist immer gut für ein Auf und Ab“, sagt er. Das liege hauptsächlich am Wechselkurs und den Regierungen, die oft große Auswirkungen auf das Land haben. Doch Johannes Mayer und sein Team haben gelernt, diese sprichwörtlichen Wellen zu reiten.
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