Jetzt kommt es drauf an. Ein kleiner Fehler, und der Zeitplan ist dahin. Alles, worauf viele Menschen über eineinhalb Jahre hingearbeitet haben, liegt für einige Stunden in ihren Händen. Denn das Teilprojekt „Technische Basis und Migration“, für das Lukas Bulla, Julia Malsam und Stefan Burkert verantwortlich sind, schafft die technischen Voraussetzungen für die Umstellung auf SAP S/4HANA. Eine Umstellung, die so vonstattengehen muss, dass der Betrieb über alle Prozesse hinweg anschließend reibungslos wieder läuft und Uhlmann gut aufgestellt ist für die digitale Zukunft. Denn das ist der Grund für das aufwändige Vorhaben.

Einmal falsch geklickt, und das war’s mit dem geplanten Go Live.
Lukas Bulla, System Engineer
Dem Team um Lukas Bulla ist diese Tragweite am verlängerten Wochenende um den 3. Oktober 2023 sehr bewusst. An einen Gedanken von diesem Wochenende wird sich Lukas Bulla auch noch Monate später erinnern: „Einmal falsch geklickt, und das war’s mit dem geplanten Go Live.“ Kaffee oder Energydrinks sind somit trotz wenig Schlaf und bis zu 50 Arbeitsstunden pro Person nicht nötig. Erst wenn sie ihren Job gemacht haben, können die 18 „wartenden” Application Consultants die über 40 wichtigen Sub-Systeme, beispielsweise jenes für automatisierte Warenbewegungen und Bestandsverwaltung im Lager, an das neue SAP anbinden. Anschließend sind die rund 100 Key User der Fachbereiche an der Reihe final zu testen, ob alles funktioniert.
8455
Arbeitsstunden
investierte die IT
4000
Arbeitsstunden
investierten die Key User
Mit dem Go Live des neuen SAP-Systems sollen sämtliche Prozesse, die in jeder Abteilung bei Uhlmann Pac-Systeme inklusive aller Tochtergesellschaften sowie Wonder und Axito DE bislang über das alte SAP-System abgewickelt wurden, über die Technologie-Basis S/4HANA laufen. Letzte Voraussetzung für den Go Live ist, dass die IT-Leitung der Uhlmann Group unter Berücksichtigung aller offener Risiken dafür grünes Licht gibt. Das geschieht auch tatsächlich nach einem intensiven Wochenende am 3. Oktober 2023 um 18 Uhr. Doch der Weg, den das Team bis dahin gemeinsam mit externen Beratern zu bewältigen hatte, war nicht einfach.
Der größte Erfolgsfaktor waren das IT-Team und die Key User.
Klaus Kramer, IT Project Manager
Kein Spaziergang „Über das ganze Projekt hinweg und zuletzt auch sehr intensiv am Migrationswochenende mussten wir große Anstrengungen unternehmen, um den geplanten „Go Live”-Termin zu halten. Die Umsetzung war schlicht von Beginn an technisch herausfordernder als erwartet“, erzählt Klaus Kramer, der für die Umstellung als ein Co-Projektleiter den Hut aufhatte, rückblickend. Gemeinsam mit seinem Co-Projektleiter Helge Stührmann setzte er von Beginn an auf das Credo: Schnell sein, aber nicht verzetteln! Und vor allem den Grund für die Mühen nicht aus den Augen verlieren, wie Klaus Kramer erklärt: „Mit dieser Umstellung schaffen wir die Grundlage für Uhlmann, um in der Digitalisierung der Prozesse auf einer zukunftsfähigen Plattform bestmöglich vorwärts gehen zu können.“
Um das Risiko für eine Umstellung auf S/4HANA zu minimieren und eine vertretbare Migrationsdauer zu erreichen, wählte Uhlmann für die Umstellung einen sogenannten “Brownfield”-Ansatz. Konkret bedeutet dies, dass alle bestehenden Geschäftsanwendungen aus dem bestehenden SAP-System in das neue übertragen werden und nur wenige notwendige Änderungen im Rahmen der Umstellung durchgeführt werden. Neue Funktionalitäten und insbesondere Prozessoptimierungen entlang der Wertschöpfungskette werden in nun nachfolgenden Organisationsprojekten (“Speed+”) eingeführt, dann aber auf Basis von S/4HANA. „So vorzugehen, war ein großer Erfolgsfaktor“, sagt Klaus Kramer, „der größte aber war das IT-Team sowie die Key User, die dafür zuständig sind sicherzustellen, dass das System so funktioniert wie es ihre jeweilige Abteilung braucht.“
Unzählige Zeilen Code
Michael Florczak ist einer der 18 Application Consultants, die die Fachbereiche bei der Einführung der einzelnen SAP-basierten Geschäftsanwendungen betreuen. Er erinnert sich an Situationen während des Projekts, in denen er dachte: „Um Gottes Willen, wie sollen wir das nur schaffen?“ Florczak band zwei große der insgesamt 40 Untersysteme an das neue SAP an, unter anderem das automatische Lager und damit eines der wichtigsten: „Wenn das nicht mehr funktioniert, steht die Firma still“, erklärt er.

Wenn das automatische Lager nicht mehr funktioniert, steht die Firma still.
Michael Florczak, Application Consultant
Damit das nicht passieren konnte, nutzten die IT-Spezialisten sogenannte Sandboxes (“Sandkasten”) im Projekt. Diese Kopien vom bestehenden SAP-System wurden genutzt, um die Umstellung von bestehenden Zusatzfunktionen und Prozessen auf S/4HANA vorab – ohne Auswirkungen auf das Hauptsystem – testen konnten. Damit auch im neuen S/4HANA-System alle Zusatzfunktionen so laufen, wie Uhlmann, Wonder und Axito es benötigen, mussten viele Zeilen im Quelltext der Zusatzfunktionen, sogenannte Lines of Code, angepasst werden. Sehr viele.
300.000
Lines of Code
wurden geändert
Und trotzdem hat sich für die meisten Kolleginnen und Kollegen bei Uhlmann, Wonder und Axito vordergründig nichts verändert. Klaus Kramer erklärt: „Es ist wie beim Auto: Wir haben weiterhin vier Räder und es fährt. Aber wir haben die Voraussetzung dafür geschaffen, den kompletten Antriebsstrang in Zukunft wechseln zu können.“ Allerdings müssen, wie Michael Florczak ergänzt, „manche jetzt sich mit neuen Knöpfen und Bedienkonzepten beschäftigten, weil die Herangehensweise, die sie lange gewohnt waren, nun punktuell bereits eine andere ist.“ Die großen Aufschreie aus der Belegschaft blieben aber in den Monaten nach der Umstellung aus. Und spätestens beim Abschlussfest am 16. Februar 2024 konnte das Umstellungsteam erleichtert aufatmen und zurecht feiern: Das Projekt hat die Ziele erfüllt, der Betrieb lief reibungslos weiter und der Zeit- und Kostenrahmen konnte eingehalten werden – eine außergewöhnliche Leistung!
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