Die meisten verbinden Geschäftsreisen wohl mit einer Reise an einen anderen, „echten“ Ort zu dienstlichen Zwecken. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie ersetzen virtuelle Geschäftsreisen immer mehr die klassische Geschäftsreise.
Oftmals ist das Vor-Ort-Sein aber nicht durch neue Technologien zu ersetzen. Deshalb gibt es sie immer noch: die klassische Dienstreise ins In- oder Ausland.

Allgemeine COVID-19-Reisewarnungen und Dienstreisen
Seit dem 1. Oktober 2020 gelten länderspezifische Reise- und Sicherheitshinweise. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) weist darauf hin, was aktuell im Reiseverkehr zu beachten ist.
Das deutsche Auswärtige Amt warnt nach wie vor aufgrund der COVID-19-Pandemie vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in eine Vielzahl an Ländern. Dienstliche Reisen sind jedoch teils notwendig und entsprechend erlaubt.

Geschäftsreisen seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie: Kollegen der Uhlmann Pac-Systeme erzählen
Marcus Gehring ließ sich im Oktober und November 2020 auf das Abenteuer China-Geschäftsreise unter Corona-Bedingungen ein

Eine Reise nach China während der COVID-19 Pandemie bedeutet zuerst einmal eine Menge Diskussion. Diese startet bereits in Deutschland, mit dem Ausfüllen des Gesundheit-Codes.
In meinem Fall hat das alles geklappt, der Code blieb aber rot – wieso nur? Vielleicht, weil wir den Test bei der Flughafenambulanz und nicht bei Centogene gemacht haben? „Sie dürfen nicht mit“, „Sie dürfen mit“, „Sie dürfen nicht“ … – bei dem letzten „Sie dürfen“ schnell das Flugticket gescannt und durch die Absperrung zum Flugzeug. „Haaalt! Sie dürfen nicht rein“ – „Doch, Ihr Kollege hat es gesagt“, und ich verschwand auf den Treppen. Geschafft! Ich saß in Deutschland im Flieger nach China.
Während des Fluges Fieber messen, sonst alles wie immer – naja man trägt halt die Maske fast 12 Stunden ununterbrochen. Zum Essen und Trinken darf man sie ausziehen.
In China angekommen, spricht jeder am Flughafen mehr oder weniger fließend Englisch, man kann kommunizieren. Man wird durch den gesamten Prozess durchgeführt – das geht allerdings nur in eine Richtung: Das Quarantänehotel aussuchen? Von was träumst du? Das nächste mit einem freien Zimmer ist deins!

Im Hotel hat dann niemand mehr Englisch gesprochen. Zum Glück halfen mir Mitreisende aus Deutschland, eine weitere Onlinebefragung (nur auf Chinesisch) auszufüllen und den QR-Code dem Personal vorzuzeigen.
Endlich aufs Zimmer, frische Luft atmen und die Maske ausziehen? Naja, das war auch so eine Sache. Alle Fenster waren abgeschlossen. Ich war wirklich froh, dass ich ein Multitool in meinem Koffer hatte, so konnte ich die Fenster öffnen. Ein Blick an der Fassade nach oben verriet mir, dass jeder wusste, dass man ein solches Gerät braucht. Alle Fenster waren offen.

Das erste Essen – kein Klopfen, kein Klingeln, keine Info, nichts. Auf einmal stand das Essen vor der Zimmertür. Das passierte jeden Tag und zu jeder Mahlzeit. Frühstück gab es ab 7 Uhr oder früher, Mittagessen wurde spätestens um 10.30 Uhr serviert und das Abendessen kam auch nie nach 16 Uhr. Entweder gab es also warmen Brunch oder kaltes Mittagessen.
Vollverpflegung hieß in diesem Hotel: Es gibt Essen, Getränke muss man selber ordern. Schwierig, wenn dein Gegenüber kein Englisch und du selbst kein Chinesisch sprichst (Fun Fact: Cola Dosen gab es nur im 48er Karton). Irgendwann hatte ich dann dank unserer Tochterfirma die Rufnummer des Hotelmanagers und konnte mir Trinkwasser bestellen.
Nach 14 Tagen „Inhaftierung“ (mit Videoüberwachung und Sicherheitspersonal auf dem gesamten Gelände) war alles wieder beim Alten. Mit einer Ausnahme: Es gab keine Mund-Nasenmaskenpflicht mehr – außer in der U-Bahn. Freiheit! Hier möchte ich mich auch nochmal sehr bei unserer Tochtergesellschaft bedanken, die mich mit anderen Geschmacksrichtungen & Reinigungsutensilien versorgt hat.
Würde ich es wieder machen? Definitiv!
Und warum? Auch wenn der Aufenthalt hinter „schwedischen Gardinen“ lange und anstrengend war, so half er mir doch, meine Stäbchen-Skills zu verbessern. Die Kollegen aus Shanghai haben ihr Bestes gegeben, um uns mit allem zu versorgen, was wir benötigten. Der Kunde wusste um die Situation, der wir ausgesetzt waren, und war sehr zuvorkommend. So durften wir uns aussuchen, ob wir Chinesisch oder „Westlich“ essen wollten.
An die KollegInnen: Ich hoffe, dass eure nächste Reise auch wieder schön und sicher wird!
Kai Kathan organisiert Reisen und sorgt für die Sicherheit der Reisenden – auch unter Corona-Bedingungen

Ich bin für die Organisation von Dienstreisen und für die organisierte Reisesicherheit, das sogenannte Travel Risk Management, das es seit 2019 bei Uhlmann gibt, verantwortlich. Dazu gehören beispielsweise der externe Travel Risk Manager, ein Alarmticker, das Reisebüro, die Reiseorganisation oder die 24-7 Helpline. Wir haben die Verantwortung, dass der Dienstreisende das kleinstmögliche Risiko beim Reisen hat.
Wir beziehen uns dabei immer auf die behördlichen Vorgaben der Bundesländer bzw. die des Reisezielorts. Da sich diese teils wöchentlich ändern, ist es meine größte Herausforderung, da nicht nur dranzubleiben, sondern diese Verordnungen auch in eine verständliche Sprache zu übersetzen.
Während der ersten zwei Monate des Lockdowns sanken die Zahlen der Montagereisen. Ab Mai waren wir wieder auf Normalniveau. Auf das Jahr gesehen war die Zahl vielleicht 15 % niedriger als im Vorjahr.
Die Zahl der Reisen zu Beratungszwecken und Geschäftsabschlüssen hingegen ging wirklich drastisch zurück. Da verzeichneten wir einen Rückgang von rund 90%. Trotzdem haben unsere Damen der Reiseorganisation nicht weniger zu tun – weil die Organisation der Reisen extrem aufwändig geworden ist, haben wir sogar einen deutlichen Mehraufwand.

Claudia Maier versorgt Reisende mit Informationen rund um Corona

Ich mache im Unternehmen alles, was mit Corona zu tun hat. Dabei arbeite ich eng mit den Mädels aus der Reiseabteilung, dem externen Travel Risk Manager und der Corona-Taskforce zusammen.
Meine Arbeit umfasst unter anderem das Verschicken von Informationen an die Reisenden vor und nach der Reise, dann die Zusammenarbeit mit externen Travel Risk Manager und die Betreuung der Hotline-Nummer.
Da kommt alles rein, was mit Corona zu tun hat, z.B. allgemeine Fragen im Umgang mit Kollegen oder Infizierten, Terminvereinbarung für mittlerweile bestehende Inhouse-Testung oder Testungen außerhalb der Firma, Fragen zu Ein- und Ausreisen in andere Länder und fehlende Masken und Selbsttests. Außerdem bearbeite ich die email-Adresse coronavirus@uhlmann.de.
Über die Hotline kommen viele Anfragen von Mitarbeitern, die auf Reisen gehen und sich unsicher sind.
Außerdem bearbeite ich mittlerweile die Vielzahl von Fällen, in denen die Betriebsvereinbarung zu Reisen während der Corona-Zeit greift und leite diese Infos gebündelt an die Personalabteilung weiter.
Es sind aktuell keine leichten Zeiten und jeder Einzelne ist auf eine ganz unterschiedliche Weise privat oder geschäftlich von der Pandemie betroffen. Aber ich finde, dass wir alle stolz sein können auf ein umsichtiges und fürsorgliches Miteinander innerhalb der Firma.
Peter Aubele war November bis Dezember 2020 auf einer Endmontage in Mexiko

Vor unserer Reise nach Mexiko erhielten wir Informationen, zum Beispiel vom externen Travel Risk Manager und unserer internen Reisestelle: Hygienevorschriften, Notwendigkeit einer Vor-Ort-Quarantäne, usw. Vieles erfährt man relativ kurzfristig. Insgesamt ist die Reisevorbereitung stressiger geworden (ebenso wie das Nachhause-Kommen). Die Reise selbst ist dann aber stressfreier – Flughafen und das Flugzeug waren richtig leer. Teilweise sitzt man bei solchen Reisen zu zweit im Flugzeug, umsorgt von der ganzen Crew.
In unserem Hotel in Mexiko gab es einige Vorkehrungen: Zuerst einmal mussten wir einen Corona-Test machen. Direkt danach startete eine sechstägige Quarantäne, an deren Ende wir wieder einen Test machen mussten. Immerhin durften wir ab und an um das Hotel spazieren. Jedes Mal, wenn wir ins Hotel zurück kamen, wurde Temperatur gemessen und eine Flasche Desinfektionsgel bereitgehalten. Auch beim Essen wurden Sicherheitsvorkehrungen eingehalten: Das Frühstücksbuffet fiel aus, aber wir konnten uns etwas auf unser Zimmer bestellen.
Beim Kunden mussten wir in einem separaten Raum Mittagessen. Uns trennten Plexiglaswände und wir mussten einen Stuhl Platz zwischen uns lassen. Nicht nur beim Essen, sondern auch beim Arbeiten waren wir, zusätzlich zum Mundschutz, strikt getrennt von Leuten aus anderen Projekten. Das war ein komisches Gefühl.
Nach einem Corona-Vorfall beim Kunden mussten wir zum Arzt und einen Test machen – zum Glück war das Ergebnis negativ. Trotzdem wurde der Montage-Einsatz dann frühzeitig abgebrochen, weil die anderen Kontaktpersonen vom Kunden isoliert wurden und somit keiner mehr da war. In Summe musste ich sechs Corona-Tests machen: Vor dem Abflug, bei Ankunft im Hotel, am letzten Tag der Quarantäne, am ersten Arbeitstag beim Kunden, einen weiteren aufgrund des Corona-Vorfalls beim Kunden und zuhause in Laupheim.
Ich bin froh, wenn das ganze Corona vorbei ist. Es ist dabei nicht nur der Mehraufwand vor, während oder nach der Reise. Zum einen ist da noch die Einschränkung bei der Freizeitgestaltung als Ausgleich zu einer langen Montagereise an einem fremden Ort. In Mexiko hatten, wie in Deutschland auch, Bars und Sehenswürdigkeiten zu.
Zum anderen gibt es auch im Privaten Einschränkungen: Auch wenn man nach der Montage nicht in Quarantäne muss, ist nicht zu 100 Prozent garantiert, dass man Corona-frei ist. Aus dem Grund bin ich im privaten Umfeld, insbesondere wenn es um meine Oma geht, besonders vorsichtig.

Nico Schuch war geschäftlich von September bis Dezember 2020 in Brasilien beim Kunden
Das Reisen ist durch die Corona Tests viel umständlicher geworden: Für die Einreise nach Brasilien benötigt man ein Einladungsschreiben vom Kunden, ein Entsendungsschreiben von Uhlmann wegen besonderer Dringlichkeit (Pharma) und einen negativen Corona-Test.
Nach meiner Ankunft in Brasilien musste ich, recht einfach, einen DriveThru-Test für 50 Euro machen (auch Selbsttests gab es damals dort schon recht unkompliziert). Das Testergebnis fiel zunächst positiv aus, dann wurde ich öfters getestet, bis sich herausgestellt hatte, dass es ein „positive false“ war, da beim Antikörpertest zum Schluss keine Antikörper im Blut waren. Beim Zurück war die Herausforderung, einen Test für den Flug zu bekommen, der nicht älter als 48h war, da die Tests normal 72h zur Auswertung brauchen.
Wieder zurück in Deutschland, am Flughafen in München, wurde ich dann nochmal getestet und dann konnte ich dank der professionellen Zusammenarbeit zwischen dem Uhlmann Travel Management und den zuständigen Behörden am nächsten Tag mit meinem negativen Ergebnis wieder raus.
Vor allem alleine zu Hause zu sitzen und auf das Testergebnis zu warten, war nicht besonders prickelnd. Im Endeffekt aber bringt das ganze Jammern nix, es muss ja weitergehen.

Reiner Mann war vor Ausbruch der Pandemie oft für Beratungen, Verhandlungen oder Geschäftsabschlüsse bei deutschen Kunden vor Ort
Während der ersten Lockdown-Phase und während des jetzigen Lockdowns bin ich überhaupt nicht gereist. Die Kunden wollen „Reisende“ nur für wirklich wichtige Einsätze haben (z.B. Reparaturen oder Montagen), die Vertriebstätigkeit läuft ausschließlich über Teams, Zoom, Telefon oder Email.
Über den Sommer, als die Lage entschärfter war, bin ich ganz normal gereist. Da war dann lediglich Maske bzw. Temperaturmessung beim Kunden angesagt.
Nicola Giustizieri war seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie in verschiedensten Ländern unterwegs

Reisen hat mir schon immer Spaß gemacht. Wegen des Virus war dann damit Schluss. Meine KollegInnen konnten noch reisen. Das ist auch extrem wichtig, denn die Arbeit an den Kundenstandorten ist unverzichtbar, um die Gesundheitsmaschinerie am Laufen zu halten und möglichst viele Menschen retten zu können.
Man braucht eine Maske, einen Covid-Test und nach ein paar Tagen Quarantäne geht es weiter.
Überall gibt es Licht im Dunkel. Die Sicherheitsmaßnahmen, die in unserem Bereich bereits sehr hoch sind, wurden intensiviert, damit alle ihre Arbeit möglichst sicher fortsetzen können. Autobahnen und Flugzeuge sind besonders leer und das Reisen ist ausgesprochen entspannt.
Mit der Möglichkeit, bürokratische Abläufe digital zu vereinfachen und auf Smart Working und Online-Meetings umzustellen, haben wir uns eindeutig weiterentwickelt.
Die Kunden, bei denen wir eintreffen, wissen um die Opfer, die wir alle auf uns nehmen, und auch ohne Gelegenheit für ein Bier an der Bar gibt es immer ein herzliches Dankeschön für das große gemeinsame Engagement.
Adham Elashmawy verantwortete im September 2019 Kundeneinsätze, mitunter in Italien

Für uns als Projektmanager brachten Kundendienstreisen seit jeher besondere Herausforderungen mit sich. Der richtige Kundendienstingenieur oder -techniker musste gefunden werden, der Termin musste mit allen Parteien abgestimmt und die Reise organisiert werden – per Flugzeug, Auto oder Zug, dann die Suche nach naheliegenden Hotels, usw. Diese Herausforderungen haben, genau wie die Zahl der Covid-Pateinten, exponentiell zugenommen.
Dank einer eigens eingerichteten „Corona-Taskforce“ muss nun die Genehmigung des Unternehmensbereichs eingeholt werden, bevor beispielsweise ein Techniker nach Mailand geschickt werden kann. Dann muss darauf geachtet werden, dass dieser im Idealfall keinen Partner hat, der durch seine Reise gefährdet werden könnte, etc.
Auch Kunden müssen nun erklären, ob sie die Sicherheit unserer Mitarbeiter garantieren können und ob sie sämtliche durch die Corona-Pandemie entstandenen Mehrkosten tragen. Das alles muss schriftlich festgehalten werden. Das größte Problem stellen aber die staatlichen Regeln und Bestimmungen dar, die sich laufend ändern.
Ich selbst musste eine Reise nach Saudi-Arabien einen Tag vor dem Abflug wegen der neuen Bestimmungen absagen. Vor all diesen Herausforderungen stehen wir Projektmanager und –managerinnen jeden Tag. Das macht eindeutig keinen Spaß. Aber unsere Softwareingenieure und Elektro- und Maschinenbauingenieure sind bei Geschäftsreisen in diesen Zeiten ausgesprochen aufgeschlossen und flexibel. Ein besonderes Dankeschön dafür!
Ich persönlich war noch nie so schnell in Mailand wie in den Corona-Zeiten. Den Check-in habe ich online erledigt, ich hatte nur Handgepäck dabei, musste am Flughafen also durch keinen weiteren Check-in, der Flughafen war leer und ich hatte alles in weniger als 15 Minuten erledigt und war am Gate. Das Flugzeug startete pünktlich und die Landung erfolgte sogar 20 Minuten früher als geplant. Von Erbach nach Mailand in gerade einmal 4 Stunden mit dem Flugzeug – ein neuer Rekord für mich!
Fazit: Geschäftsreisen sind keine Urlaubsreisen
Die Interviews und Erfahrungsberichte zeigen, dass sich das Reisen durch Corona für unsere Kollegen doch ziemlich geändert hat:
- Es haben weniger Geschäftsreisen (insb. Reisen zu Beratungszwecken und Geschäftsabschlüssen) stattgefunden.
- Die Organisation von Reisen erfordert – durch ständig wechselnde Regularien, Bürokratie und Gesundheitsrisiko – extra Aufwand und Umsicht.
- Der direkte Kontakt mit Kollegen oder Geschäftspartnern während der Reise wird begrenzt.
- Private Vergnügungen während der Reise am Wochenende oder am Feierabend sind nur noch eingeschränkt möglich.
Eine Sache aber ist gleichgeblieben: Unsere Kollegen meistern das Reisen und Reisemanagen ziemlich gut. Vielen Dank an alle Reisevorbereiter und Reiseunterstützer daheim. Und ganz besonderen Dank an alle Reisenden, die mit ihrer Flexibilität, Geduld und Spaß Geschäftsreisen für unsere Kunden und Uhlmann angetreten haben und noch antreten werden.
Thank you for traveling!
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