
Juliane Rabe lebt seit sieben Jahren in Hangzhou. Seit November 2019 arbeitet sie als Project Manager, Sales & Applications, Asia Pacific bei Koch Pac-Systeme in Shanghai.
„Nach sieben Jahren in Asien fühlt sich Deutschland für mich schon fast fremd an. Ursprünglich ging ich für Bosch nach China, im November 2019 wechselte ich dann zu Uhlmann in Shanghai. Mit meinem Freund und unseren Katzen wohne ich etwa zweieinhalb Stunden von meinem Arbeitsplatz in Shanghai entfernt. Da ich viel im Homeoffice arbeite, entfällt die Pendelei. Vor wenigen Monaten war ich das erste Mal am Koch-Hauptsitz in Pfalzgrafenweiler und habe dort die Kolleginnen und Kollegen kennengelernt. Aufgrund der Pandemie und der strikten Zero-Covid-Regelung der chinesischen Regierung, war eine Reise vorher nicht möglich.
An China mag ich die tägliche Herausforderung. Es ist jeden Tag etwas Neues. Schon allein durch die Sprache und die Kultur. Dadurch bewahre ich mir eine gewisse Offenheit. Ich lerne Chinesisch, weil ich mich als Gast in diesem Land fühle und es für mich das Mindeste ist, dass ich die Sprache einigermaßen beherrsche. Einfach ist das allerdings nicht. Mittlerweile verstehe ich sie ganz gut, aber das Sprechen ist schwierig. Kürzlich habe ich mich mit einem Taxifahrer auf Chinesisch über Fußball unterhalten, das war ein echtes Erfolgserlebnis.
Mich beeindruckt sehr, wie schnell die Leute hier Dinge umsetzen, gerade auch im Maschinenbau. Während wir uns an unsere Standards halten und den Projektplan abarbeiten, sind die chinesischen Kollegen viel schneller. Sie machen einfach. Nicht planlos, aber völlig anders, als wir das angehen würden. Das führt dann dazu, dass Dinge zunächst eher mäßig funktionieren, aber es läuft erstmal und dann wird optimiert. Diese Geschwindigkeit hat man hier aber auch in vielen anderen Bereichen, alles ist schnelllebiger und spontaner. Wir Deutschen sind da im Vergleich eher träge.
Die großen Menschenmengen hier waren anfangs ungewohnt für mich. Überall gibt es Warteschlangen. Es ist völlig normal, vor dem Restaurant anzustehen. Man zieht eine Nummer und wartet dann anderthalb Stunden bis ein Tisch frei wird. Das ist aber gut organisiert: Über eine App sieht man immer, wie viele noch warten, und kann in der Zwischenzeit Erledigungen machen. Hier ist es auch viel üblicher, Essen oder andere Dinge zu bestellen. Als ich mir den Fuß gebrochen hatte, habe ich mir über eine App Krücken bestellt, und die wurden innerhalb von 20 Minuten geliefert. Da ist es für mich in Deutschland schon ein Kulturschock, wenn Geschäfte um 19 Uhr schließen und Restaurants nicht liefern.
Ein besonderes Highlight war für mich mein Aufenthalt in Peking. Das ist eine Stadt mit wahnsinnig viel Geschichte. Auch das erste Mal auf der Chinesischen Mauer zu stehen, beeindruckte mich tief. China hat aber auch viel schöne Natur zu bieten. Generell finde ich es schade, dass oft so negativ auf dieses Land geschaut wird. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen weniger voreingenommen sind. Ich persönlich möchte gerne noch etwas hierbleiben. In Malaysia, Vietnam oder Indien zu leben, reizt mich ebenfalls.“

Tobias Jung lebt und arbeitet seit Ende 2020 in Singapur. Zunächst als Projektleiter, seit Oktober 2021 ist er technischer Direktor bei Uhlmann Singapur LLP.
„Mein Start war ganz schön holprig. Mein Visum wurde vor Beginn der Covid-Pandemie ausgestellt. Als es im März 2020 dann so weit war, durfte ich nicht einreisen. In Singapur gab es einen extrem strengen Lockdown, die Menschen konnten ihre Wohnungen nur in besonderen Ausnahmefällen verlassen. Im August 2020 genehmigte mir die Behörde dann die Einreise. Die Auflagen: PCR-Test vorab, PCR-Test bei Ankunft, zwei Wochen im Quarantäne-Hotel und einen weiteren PCR-Test nach 10 Tagen in Quarantäne. Dann ging es endlich los: Ich durfte raus und konnte als Projektleiter starten.
Eigentlich wollte ich immer als Expat in die USA gehen, aber als dann das Angebot für Asien kam, dachte ich mir: Warum nicht?! Die Stelle als Projektleiter war eigentlich auf sechs Monate befristet, es war dann aber schnell klar, dass einer Verlängerung als Projektleiter nichts im Wege steht. Danach öffnete sich eine weitere Tür: Ich konnte die Stelle von Florian Weiher als technischer Direktor übernehmen. Dies ist erst einmal bis Dezember 2023 geplant. Natürlich bringt das einige Herausforderungen mit sich, und es ist oft ein ziemlicher Spagat, vor allem da ich meine Freundin selten sehe. Auch meine Freunde und Familie vermisse ich natürlich, aber ansonsten nicht viel aus Deutschland. Und wenn ich dann auf Besuch zu Hause bin, fehlen mir schnell die kulinarischen Köstlichkeiten, die es in Singapur an jeder Ecke gibt. Durch die vielen Kulturen, die hier leben, ist Singapur ein sehr offenes Land, in dem man sich leicht wohlfühlt.
Auch unser Team ist sehr international. Mein ehemaliger Vorgesetzter war Italiener und ich habe natürlich viele asiatische Kolleginnen und Kollegen. Für mich ist das Schöne an meiner Arbeit, dass wir eine kleine Organisation sind. Das ist so ein bisschen Start-up-Feeling. Wir können sehr schnell etwas umsetzen und arbeiten sehr agil. Das gefällt mir gut und das passt zu meinen Eigenschaften. Nach Singapur zu gehen, war für mich daher der absolut richtige Weg.
Singapur ist eine superspannende Stadt und es gibt hier viele tolle Orte. Nach und nach möchte ich auch die umliegenden Länder besuchen, da das Reisen bis 2022 nur sehr eingeschränkt möglich war. Von hier aus kann man schnell viele Ziele in Asien erreichen. Beim Agency Day war ich mit dem Team in Indonesien dabei. Das machte neugierig auf mehr. Es fasziniert mich, neue Länder und Kulturen kennenzulernen und die Unterschiede zu entdecken.
Ich kann mir gut vorstellen, noch länger in Singapur zu arbeiten. Was ich mir definitiv nicht vorstellen kann, ist, hier in Rente zu gehen. Die Lebenshaltungskosten sind sehr hoch. Ob ich meinen Vertrag verlängere, hängt natürlich auch davon ab, ob privat alles passt. Wenn beispielsweise jemand in meiner Familie erkranken würde, wäre das für mich ganz klar ein Grund, zurückzukehren. Glücklicherweise haben meine Eltern aber mittlerweile technisch aufgeholt, und so sprechen wir regelmäßig per Video-Call. Eigentlich sogar mehr als in Deutschland. Da trennten uns 400 Kilometer, und wir haben uns nicht so regelmäßig bewusst die Zeit genommen, um uns auszutauschen.“









