Herr Dr. Elzenheimer, Sie wurden vor etwas mehr als einem Jahr gemeinsam mit Alexander Schöllhorn Geschäftsführer der Axito GmbH in Laupheim und sind Geschäftsführer von Axito in Wroclaw. Was hat Sie an der Stelle gereizt?
Bevor ich bei Axito anfing, war ich sechs Jahre lang bei Knorr-Bremse in München. Da war ich zwar auch im Bereich Fertigung, hatte aber eher strategische Aufgaben. Ich wollte danach wieder zurück in eine operative Verantwortung. Außerdem habe ich es immer genossen, in einem mittelständischen Betrieb zu arbeiten. Uhlmann ist ein stark gewachsener Mittelständler mit Holdingstruktur – ein Schwergewicht in der Branche. Aber die kurzen Dienstwege eines Mittelständlers gibt es trotzdem noch. Das schätze ich sehr.
Wenn Sie das vergangene Jahr bei Axito und in der Uhlmann Group Revue passieren lassen: Wie haben Sie Ihr Ankommen erlebt?
Ich wurde überaus positiv empfangen. Sowohl bei Axito als auch von der Geschäftsleitung und den Group Companies wurde ich sehr schnell im Team aufgenommen. Alle waren sehr offen, sehr freundlich und sehr kooperativ. So fand ich mich schnell im Unternehmen zurecht.
Und wo lagen die Herausforderungen?
Herausfordernd war, dass Axito ein neues Kind der Gruppe ist. Was zur Gründung von Axito 2019 strategisch festgesetzt wurde, müssen wir jetzt an die Realität anpassen. Früher hat beispielsweise alles quasi auf Zuruf funktioniert, weil es eine Firma war. Durch die Eigenständigkeit Axitos haben sich Schnittstellen aufgetan, die Verbesserungspotenzial bei den Abläufen aufzeigen. Diese Schnittstellen haben wir im Fokus, um den Prozess reibungslos zu gestalten. Die zweite Herausforderung war und ist, dass Mitarbeitende, die Uhlmänner waren, nun bei Axito und damit in einer anderen Firma tätig sind. Das bedeutet, wir müssen unsere eigene Identität finden, gehören aber zur Uhlmann Group. Hier gilt es, die richtige Balance zu finden.
Wie gehen Sie vor, um aus Uhlmännern Axitoaner zu machen?
Die Prägung unserer Identität beginnt mit einfachen Dingen, zum Beispiel dem eigenen Logo auf der Arbeitskleidung. Wichtig ist aber vor allem, dass das Führungsteam und Werksmitarbeitende gemeinsam ein Zielbild entwickeln und festlegen: Was wollen wir? Was sind wir? Und was sind wir nicht bei Axito? Das haben wir in einem Strategieprozess im letzten Jahr vorangetrieben und ausformuliert. Jetzt müssen wir das Ganze in die Realität überführen und die Ansätze mit Leben füllen. Da ist es sicherlich von Vorteil, dass wir jetzt wieder physisch zusammenkommen können – ob im Werk oder bei gemeinsamen Veranstaltungen fürs Teambuilding. Zum gegenseitigen Verständnis trägt auch bei, dass immer wieder Mitarbeitende aus Deutschland für längere Zeit in Polen sind oder Kolleginnen und Kollegen aus Polen zu anderen Standorten und in Group Companies reisen.
Mich treibt an, am Ende des Tages das Gefühl zu haben, dass etwas besser geworden ist, ich irgendwo geholfen, Probleme gelöst oder jemanden unterstützt habe.
Dr. Jens Elzenheimer, CEO Axito
Sie selbst sind ungefähr alle drei Wochen in Wroclaw. Wie sieht denn ein typischer Tag bei Ihnen aus?
Einen typischen Tag gibt es bei mir nicht. Das finde ich aber auch spannend: Mir gefällt es, morgens aufzuwachen und nicht genau zu wissen, was der Tag bringt – außer, dass der Kalender meistens recht voll ist. Es gibt Regeltermine, die ich, wenn möglich, immer wahrnehme, weil es mir wichtig ist, nah an der Mannschaft zu sein und mitzukriegen, was los ist. Aber ansonsten versuche ich, so flexibel und schnell wie möglich auf Themen zu reagieren.
Was treibt Sie an?
Mich treibt an, am Ende des Tages das Gefühl zu haben, dass etwas besser geworden ist, ich irgendwo geholfen, Probleme gelöst oder jemanden unterstützt habe. Mir gefällt es aber auch, eine langfristige Entwicklung zu sehen. Denn man bewegt sich ja auf einem Pfad, der vorwärtsgerichtet ist – auch, wenn es immer mal gilt, einen Umweg oder ein paar Schritte rückwärtszugehen. Außerdem gewinne ich gerne neue Erkenntnisse. Nur, wenn man sich immer wieder mit neuen Themen beschäftigt und sich neuen Aufgaben stellt, kann man Erfahrungen sammeln und sie für künftige Herausforderungen nutzen.
Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsgerät?
Mein Kopf. Zum Denken, aber auch zum Sehen und zum Kommunizieren.

Und wie schalten Sie Ihren Kopf auch mal ab?
Einen Ausgleich schaffe ich mir vor allem durch Zeit mit meiner Frau und meinen beiden Kindern. Ich sehe sie in der Regel nur am Wochenende, da sie in der Nähe von Aschaffenburg wohnen. Deshalb versuche ich, es strikt zu trennen: Wochenende ist Wochenende, und das gehört der Familie. Außerdem gehe ich Laufen, drehe größere Runden mit dem Hund oder setze mich aufs Mountainbike und fahre durch den Odenwald oder Spessart. Reisen ist uns auch wichtig, vor allem Städtetrips, bei denen man Land und Leute kennenlernt.
Wie gefällt Ihnen denn Wroclaw?
Das ist eine wunderschöne Stadt! Wroclaw ist eine sehr moderne, offene und junge Stadt: Von den 650.000 Einwohnern sind 120.000 Studierende, und das merkt man auch. Auch landschaftlich und architektonisch ist es sehr schön. Ich kann es jedem dringend empfehlen, sich das mal anzugucken und ein paar Tage in Wroclaw zu verbringen!
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Elzenheimer!
Axito wurde 2019 als Uhlmann-Gruppengesellschaft gegründet und ist seit 1. April 2021 ein eigenständiges Unternehmen innerhalb der Uhlmann Group. Axito fertigt Maschinenbauteile und -komponenten – zu circa 95 Prozent für Group Companies, aber auch für andere Unternehmen. Insgesamt arbeiten 235 Menschen bei Axito – 163 in Laupheim, 72 in Wroclaw, Polen. Zum Führungsteam gehören in Laupheim der Werkleiter Serhat Toykan und die drei Abteilungsleiter Christopher Almes (operative Fertigung), Karl Braig (Instandhaltung) und Philipp Fleischer (Arbeitsvorbereitung, Planung). In Wroclaw ist das Führungsteam breiter aufgestellt, weil zum eigenständigen Werk auch administrative Bereiche wie Finanzen, Personal und IT gehören. Werkleiter ist Maciej Karpowicz.
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