Der Einkauf bei Uhlmann in Zahlen
Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Uhlmann circa 450 Lieferanten für Produktionsmaterial (PM) und circa 700 für Nicht-Produktionsmaterial (NPM). Das Einkaufsvolumen lag dabei bei rund 90 Millionen Euro für PM und 45 Millionen Euro für NPM. Von Januar bis September 2021 gab es 660.387 Stücklisten-Bedarfe zu decken, das sind ca. 18.000 Positionen mehr als im Vergleichszeitraum 2020. Über 45.000 Positionen sind in unserem Hochregallager untergebracht bei circa 900 bis 1000 Wareneingängen am Tag.
Die Business Unit Supply Chain beschäftigt über 100 Mitarbeiter von der Planung über Einkauf, Wareneingang, Kommissionierung, innerbetrieblicher Transport, Import/Export und Versand. „Eine tolle Mannschaft, die jeden Tag aufs Neue ihr Bestes gibt“, sagt Torsten Pfalzgraf.
pactuell: Herr Pfalzgraf, von vielen Seiten hört man, dass manche Komponenten knapp sind. Woran liegt das?
Torsten Pfalzgraf: Wir leben in einer Welt globaler Vernetzung – ein Tipp: Googlen Sie mal VUCA World. Corona hat diese Abhängigkeit mehr als deutlich gemacht. Und es kam alles zusammen: Es gab unkontrollierbare Wirtschaftslockdowns auf der ganzen Welt. Plötzlich konnten Lieferanten nicht mehr liefern. Hinzu kam der Effekt des Handelsstreits zwischen den USA und China in 2019: Alle westlichen Länder bestellten ihre Chips nicht mehr in China, sondern ausschließlich in Taiwan bei TSMC. Das führte zu einer Überhitzung des Marktes, weil die Nachfrage größer ist als Angebot. Da waren außerdem die Schiffblockade im Suezkanal und die coronabedingte Schließung großer Häfen in China im Juni und August 2021. Zusätzlich stieg die Nachfrage in vielen Bereichen nach den Lockdowns sprunghaft.
Die Corona-Situation eröffnet uns aber auch eine Chance, denn es wird zur Regionalisierung der Beschaffungsmärkte auch in Europa kommen. Lieferkettengesetze und der Nachhaltigkeitsanspruch der Konsumenten werden diesen Trend unterstützen.
pactuell: Hat das alles auch Auswirkungen auf unsere Montage und damit auf unsere Lieferzeiten?
Pfalzgraf: Leider ja, und ich weiß, wie alle Kolleginnen und Kollegen in den Montagen, den Leitständen und der BU SCM kämpfen, um die Teile zusammenzutragen und unsere Produkte zu produzieren. Wir zeigen hier großartige Teamarbeit über die Bereichsgrenzen hinweg. Nur so können wir gemeinsam dieser Herausforderung begegnen, auch wenn wir manchmal an unsere Grenzen stoßen.
pactuell: Wie begegnet der Einkauf der angespannten Situation?
Pfalzgraf: Wir haben schon zeitig im Frühjahr 2020 auf die voraussehbaren Auswirkungen von Corona auf den Beschaffungsmarkt reagiert und eine Art Präventionssystem aufgesetzt. Tägliche Shopfloor-Meetings, in denen Lösungen für Probleme im Wertschöpfungsprozess besprochen werden, sind in der BU SCM bereits seit Jahren gang und gäbe. Transparenz und das Ohr bei den Lieferanten sowie der Erfahrungsaustausch mit den Exellence-United Kollegen, den Einkaufskollegen aus Netzwerken oder dem Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik sind ein Schlüssel. Es ist wichtig, ständig neue Impulse zu setzen – sei es durch einen Lieferantentag wie im Juli 2021, zu dem wir bestimmte Lieferanten auf Geschäftsführungsebene persönlich eingeladen haben, Dankesschreiben an ausgewählte Lieferanten oder einer Aktion, wie die der strategischen Einkäufer: Unter dem Titel „After summer vacation“, besuchten wir über 20 Lieferanten vor Ort.
pactuell: Das klingt nach intensiver Lieferantenpflege …
Pfalzgraf: Die Partnerschaft mit unseren Lieferanten ist mir sehr wichtig. Damit grenzen wir uns von vielen Mitstreitern ab. Ein „Draufhauen“ bringt nichts, stattdessen müssen wir von Fall zu Fall zu denken – auch weil wir bei vielen High-Tech-Firmen nicht der größte Kunde sind. In solchen Fällen treten wir auch gemeinschaftlich mit unserer Geschäftsführung auf. Ein weiterer Aspekt ist außerdem der Appell an die „Social Responsibility“, an soziale Verantwortung der Führungskräfte unserer Lieferanten, dass Sie mit der Lieferung ihrer Produkte die Impfkampagne oder die Herstellung lebensnotwendiger Medikamente in Entwicklungs- und Schwellenländern maßgeblich unterstützen.
pactuell: Ist eine Entspannung der Lage in Sicht?
Pfalzgraf: Gespräche mit den Lieferanten, Einkaufskollegen anderer Firmen und die einschlägigen Fachzeitschriften gehen von der Fortsetzung der angespannten Lage noch bis Sommer nächsten Jahres aus. Wir bekommen aus der Zeitung mit, dass bei Opel oder Daimler die Bänder für Wochen stillstehen. Da, wo es geht, wird schon mit Vorlauf eingedeckt. Wir haben beispielsweise schon im Frühjahr angefangen, Axito Deutschland mit Rohmaterial ausreichend einzudecken, sodass wir bis dato keine Rohmaterial-Probleme haben. Wir fahren weiter auf Sicht und müssen weiterhin flexibel reagieren, ruhig bleiben und gut zusammenarbeiten, um diese Krise zu meistern. Und das werden wir!
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