50 Jahre bei UhlmannGekommen, um zu bleiben

Uhlmann hat in diesem Jahr 53 Jubilarinnen und Jubilare. Doch einer sticht besonders heraus: Alfred Hänn ist seit 50 Jahren dabei – länger als jemals jemand vor ihm. Das hat einen Grund.

Eigent­lich ist Alfred Hänn dieser Artikel nicht so recht. Der 65-Jährige will keine Beweih­räu­che­rung. Keine leichte Übung bei jemandem, der 50 erfolg­reiche Jahre in einem Betrieb vorweisen kann, dazu drei Kinder und zahl­reiche Hobbies und ehren­amt­liche Akti­vi­täten. „Das kann jeder errei­chen, der ein Ziel vor Augen hat. Und die 50 Jahre haben sich einfach so ergeben, weil ich bei Uhlmann meinen Beruf so leben konnte, wie ich ihn mir vorge­stellt habe“, sagt der Jubilar.

Schon als kleinen Jungen faszi­nierte es den gebür­tigen Burg­rie­dener, dass man „irgendwo drauf­drü­cken kann und dann geht das Licht an“. Wie gut, dass der Onkel ein Elek­tro­ge­schäft hatte. Und noch besser, dass Hänn eine der beiden Ausbil­dungs­stellen für Elek­tro­me­cha­niker bekam. „Die Konkur­renz war groß. Da war die Freude über die Zusage umso größer“, erin­nert sich Hänn ans Jahr 1970. Am 1. September schlug der damals knapp 15-Jährige eine Lauf­bahn bei Uhlmann ein, die in der Leitung der Elek­tro­mon­tage gipfelte und mit dem Eintritt in die Alters­teil­zeit 2020 endete. Das ist die sach­liche und sehr, sehr verkürzte Version von Alfred Hänns Karriere. Was sie ausmachte, benö­tigt mehr Zeilen – da muss er durch.

Problem­löser auf allen Konti­nenten

Da waren zum Beispiel die Monta­ge­reisen. Es gibt keinen Konti­nent, auf dem Hänn keine Uhlmann-Maschine zum Laufen gebracht hätte. Sein Spezi­al­ge­biet: die Problem­lö­sung. Da konnte es schon passieren, dass er nach Südafrika reiste und inner­halb von zehn Minuten das Problem an der Maschine gefunden und behoben hatte. An diese Reise denkt Hänn aber noch aus einem anderen Grund oft zurück: Ein Onkel seines Vaters war in der Nähe von Johan­nes­burg Pater. Als Hänn bei ihm vor der Tür stand, fiel ihm förm­lich die Zigarre aus der Hand. Kurz darauf war es Hänn, der staunte: Unterm Bett hatte der Groß­onkel einen ganzen Karton voller Foto­gra­fien, die er während der Heimat­ur­laube in Burg­rieden aufge­nommen hatte. Darauf: Der kleine Alfred und seine Geschwister. „Unsere Familie hatte keine Kamera und ich hatte selten ein Foto von mir gesehen. Das war herr­lich“, erzählt Hänn. Was aus den Fotos nach dem Tod des Groß­on­kels wurde, weiß er leider nicht.

 

Qualität und Service, das war immer der Leit­spruch.

Alfred Hänn

Spuren hinter­ließ er auch in Südame­rika: Als er auf Montage in Buenos Aires war, nahm ihn ein einhei­mi­scher Elek­tri­ker­kol­lege an einem Wochen­ende mit auf den Rio de la Plata. Sie fuhren mit einem kleinen Boot zu einem Insel­chen, auf dem ein Mann lebte – der Hänn in astreinem Hambur­ge­risch begrüßte. Es stellte sich heraus, dass der Insel­be­wohner 1940 als blinder Passa­gier nach Argen­ti­nien gereist war, sich auf der Insel nieder­ge­lassen hatte und dort eine Weih­nachts­baum­plan­tage betrieb. „Wir erzählten uns unsere Lebens­ge­schichten und führten noch jahre­lang eine Brief­freund­schaft.“ Eine Freund­schaft die Früchte trug, denn Hänn schickte dem Wahl­ar­gen­ti­nier fortan Samen deut­scher Weih­nachts­bäume.

Eine Heimat, zwei Leit­sprüche

Trotz der schönen Erfah­rungen und Begeg­nungen waren die Monta­ge­reisen keine Spazier­gänge: Wenn um 14 Uhr das Telefon klin­gelte, weil es beispiels­weise an einer Maschine in Frank­reich ein Problem gab, war es normal, dass Hänn sich um 15 Uhr auf dem Weg dorthin befand. „Qualität und Service, das war immer der Leit­spruch“, sagt Hänn, der den Anspruch an sich hatte, morgens bei den Ersten zu sein und den der Stör­mel­de­dienst um einige schlaf­lose Nächte brachte. Dass er trotzdem all die Jahre durch­hielt, liegt einmal am Reisen selbst. Es lehrte ihn einen gelas­se­neren Blick auf die Dinge.

Es liegt aber auch am Zurück­kehren. So gern er reiste, ans Bleiben dachte Hänn nicht einmal bei Austra­lien, das es ihm beson­ders angetan hat. Zu stark ist die Heimat­ver­bun­den­heit. Beide Eltern kamen aus Burg­rieden, seine Frau auch, hier ist Hänn aktiv bei der Feuer­wehr, im Schüt­zen­verein, mit seiner Klari­nette im Musik­verein. Hier geht er jeden Sonntag in den Wald, baut Dinkel für sein eigenes Brot an und pflegt seine Oldti­mer­trak­toren.

Ans Gehen dachte er bei Uhlmann nie – obwohl es entspre­chende Ange­bote gab. Statt­dessen sorgte er dafür, dass es in der Maschinen- und Betriebs­elek­trik immer das Neuste an Technik gab. So geht auch das firmen­ei­gene Block­heiz­kraft­werk auf Hänns Konto, das den Wärme­be­darf und 80 Prozent des Strom­be­darfs der Firmen­zen­trale in Laup­heim deckt. All das kommt nicht von unge­fähr, sondern fußt auf Alfred Hänns zweitem Leit­spruch, den er über die gesamten 50 Jahre lebte: „Wenn es der Firma gut geht, geht es mir auch gut.“ Und (ein biss­chen Weih­rauch muss schon sein, Herr Hänn): Das war ein Glück für Uhlmann.

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