Eigentlich ist Alfred Hänn dieser Artikel nicht so recht. Der 65-Jährige will keine Beweihräucherung. Keine leichte Übung bei jemandem, der 50 erfolgreiche Jahre in einem Betrieb vorweisen kann, dazu drei Kinder und zahlreiche Hobbies und ehrenamtliche Aktivitäten. „Das kann jeder erreichen, der ein Ziel vor Augen hat. Und die 50 Jahre haben sich einfach so ergeben, weil ich bei Uhlmann meinen Beruf so leben konnte, wie ich ihn mir vorgestellt habe“, sagt der Jubilar.
Schon als kleinen Jungen faszinierte es den gebürtigen Burgriedener, dass man „irgendwo draufdrücken kann und dann geht das Licht an“. Wie gut, dass der Onkel ein Elektrogeschäft hatte. Und noch besser, dass Hänn eine der beiden Ausbildungsstellen für Elektromechaniker bekam. „Die Konkurrenz war groß. Da war die Freude über die Zusage umso größer“, erinnert sich Hänn ans Jahr 1970. Am 1. September schlug der damals knapp 15-Jährige eine Laufbahn bei Uhlmann ein, die in der Leitung der Elektromontage gipfelte und mit dem Eintritt in die Altersteilzeit 2020 endete. Das ist die sachliche und sehr, sehr verkürzte Version von Alfred Hänns Karriere. Was sie ausmachte, benötigt mehr Zeilen – da muss er durch.
Problemlöser auf allen Kontinenten
Da waren zum Beispiel die Montagereisen. Es gibt keinen Kontinent, auf dem Hänn keine Uhlmann-Maschine zum Laufen gebracht hätte. Sein Spezialgebiet: die Problemlösung. Da konnte es schon passieren, dass er nach Südafrika reiste und innerhalb von zehn Minuten das Problem an der Maschine gefunden und behoben hatte. An diese Reise denkt Hänn aber noch aus einem anderen Grund oft zurück: Ein Onkel seines Vaters war in der Nähe von Johannesburg Pater. Als Hänn bei ihm vor der Tür stand, fiel ihm förmlich die Zigarre aus der Hand. Kurz darauf war es Hänn, der staunte: Unterm Bett hatte der Großonkel einen ganzen Karton voller Fotografien, die er während der Heimaturlaube in Burgrieden aufgenommen hatte. Darauf: Der kleine Alfred und seine Geschwister. „Unsere Familie hatte keine Kamera und ich hatte selten ein Foto von mir gesehen. Das war herrlich“, erzählt Hänn. Was aus den Fotos nach dem Tod des Großonkels wurde, weiß er leider nicht.

Qualität und Service, das war immer der Leitspruch.
Alfred Hänn
Spuren hinterließ er auch in Südamerika: Als er auf Montage in Buenos Aires war, nahm ihn ein einheimischer Elektrikerkollege an einem Wochenende mit auf den Rio de la Plata. Sie fuhren mit einem kleinen Boot zu einem Inselchen, auf dem ein Mann lebte – der Hänn in astreinem Hamburgerisch begrüßte. Es stellte sich heraus, dass der Inselbewohner 1940 als blinder Passagier nach Argentinien gereist war, sich auf der Insel niedergelassen hatte und dort eine Weihnachtsbaumplantage betrieb. „Wir erzählten uns unsere Lebensgeschichten und führten noch jahrelang eine Brieffreundschaft.“ Eine Freundschaft die Früchte trug, denn Hänn schickte dem Wahlargentinier fortan Samen deutscher Weihnachtsbäume.
Eine Heimat, zwei Leitsprüche
Trotz der schönen Erfahrungen und Begegnungen waren die Montagereisen keine Spaziergänge: Wenn um 14 Uhr das Telefon klingelte, weil es beispielsweise an einer Maschine in Frankreich ein Problem gab, war es normal, dass Hänn sich um 15 Uhr auf dem Weg dorthin befand. „Qualität und Service, das war immer der Leitspruch“, sagt Hänn, der den Anspruch an sich hatte, morgens bei den Ersten zu sein und den der Störmeldedienst um einige schlaflose Nächte brachte. Dass er trotzdem all die Jahre durchhielt, liegt einmal am Reisen selbst. Es lehrte ihn einen gelasseneren Blick auf die Dinge.
Es liegt aber auch am Zurückkehren. So gern er reiste, ans Bleiben dachte Hänn nicht einmal bei Australien, das es ihm besonders angetan hat. Zu stark ist die Heimatverbundenheit. Beide Eltern kamen aus Burgrieden, seine Frau auch, hier ist Hänn aktiv bei der Feuerwehr, im Schützenverein, mit seiner Klarinette im Musikverein. Hier geht er jeden Sonntag in den Wald, baut Dinkel für sein eigenes Brot an und pflegt seine Oldtimertraktoren.
Ans Gehen dachte er bei Uhlmann nie – obwohl es entsprechende Angebote gab. Stattdessen sorgte er dafür, dass es in der Maschinen- und Betriebselektrik immer das Neuste an Technik gab. So geht auch das firmeneigene Blockheizkraftwerk auf Hänns Konto, das den Wärmebedarf und 80 Prozent des Strombedarfs der Firmenzentrale in Laupheim deckt. All das kommt nicht von ungefähr, sondern fußt auf Alfred Hänns zweitem Leitspruch, den er über die gesamten 50 Jahre lebte: „Wenn es der Firma gut geht, geht es mir auch gut.“ Und (ein bisschen Weihrauch muss schon sein, Herr Hänn): Das war ein Glück für Uhlmann.
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