Alfred Merz hat gemischte Gefühle. Der bevorstehende Abschied von seiner Arbeitsstätte fällt dem 62-Jährigen nicht leicht. 45 Jahre in ein und demselben Unternehmen gehen nicht spurlos an einem vorüber – oder wie er selbst sagt: „Ich bin ein Uhlmann-Geschöpf.“
Ich bin ein Uhlmann-Geschöpf.
Alfred Merz, ehemaliger Leiter der Lehrwerkstatt
Uhlmännischer als Alfred Merz kann man tatsächlich kaum sein: Schon sein Vater arbeitete im Betrieb, er selbst begann in Laupheim 1975 seine Ausbildung zum Maschinenschlosser – am selben Tag wie eine angehende Industriekauffrau, die später seine Frau werden sollte und ebenfalls bis heute dem Unternehmen treu ist. Einer der drei gemeinsamen Söhne arbeitet auch seit vier Jahren bei Uhlmann.
240 Azubis in 36 Jahren
Doch das ist nur eine Nachwuchskraft von vielen, die Alfred Merz uns hinterlässt: 240 Industriemechaniker förderte, prägte und begleitete er, seit er im April 1984 die Leitung der Lehrwerkstatt übernahm. Mit stattlicher Bilanz: Nicht ein Azubi fiel durch die Prüfung, einige haben inzwischen Führungspositionen inne. „Das Arbeiten mit den jungen Leuten hat mir immer Spaß gemacht. Es hält einen jung. Das wird mir fehlen“, sagt er und erinnert sich an viele besondere Erlebnisse mit seinen Azubis.

Da war zum Beispiel die Reise in die DDR mit 20 Auszubildenden 1987. Oder etliche Seifenkistenrennen des Stadtjugendrings Laupheim, bei denen die Uhlmann-Azubis als Sieger die Rennstrecke verließen. Das gemeinsame Kicken, bei dem er noch bis vor drei Jahren mitmischte. Oder damals vor zehn Jahren, als ihn seine Schützlinge überredeten, mit ihnen am letzten Arbeitstag vor Weihnachten noch zum Hähnchenessen zu gehen – und wie es dann 2, 3 Uhr nachts wurde.
Draht zur Jugend
„Mir war immer wichtig, dass wir auch zusammen lachen können. Wenn man nicht lachen kann, kann man daheimbleiben“, sagt Merz. Obwohl ihm der Abschied von Uhlmann schwerfällt, wird er auch zu Hause lachen und auf keinen Fall Langeweile bekommen: vom Betreuen seiner kleinen Enkelin über Radtouren bis zum selbstgebauten Häuschen für den Roboterrasenmäher – Merz hat viel vor und den Kopf frei dafür. Denn um seine Nachfolge im Unternehmen macht er sich überhaupt keine Sorgen: „In Michael Hänn hat Uhlmann den richtigen Mann gefunden.“
Würdiger Nachfolger
Zum 1. Juni 2020 hat der 28-Jährige die Leitung der Lehrwerkstatt übernommen. Die Entscheidung, die Ausbildung der Industriemechaniker, Elektroniker, Mechatroniker, Technischen Produktdesigner und der FH-Studenten in die Hände von Michael Hänn zu legen, trafen Helga Haag, Head of HR Development, und Gert Jaudas, Director Human Resources.

Gerade weil sie um die Qualitäten von Alfred Merz wissen, wählten sie mit Bedacht. Haag, seit 2015 Merz‘ Vorgesetzte, sagt über ihn: „Wir waren von Anfang an auf einer Linie und hatten Vertrauen ineinander. Mit Alfred Merz geht ein Urgestein von Uhlmann. Aber Michael Hänn ist ein pfiffiger, mutiger und intelligenter Mann – er bringt neue Ideen ein.“

Jaudas unterstreicht: „Das Image einer Ausbildung bei Uhlmann wurde maßgeblich von Alfred Merz geprägt, der mit seinen Kollegen dieses Aushängeschild tagtäglich auf Hochglanz poliert – Michael Hänn wird diese Erfolgsgeschichte sicher weiterschreiben.“

Neue Ideen für die Ausbildung
Für Hänn geht mit der neuen Stelle ein Traum in Erfüllung. Schon seit seiner eigenen Ausbildung zum Mechatroniker bei Uhlmann hatte er immer wieder damit geliebäugelt, selbst einmal Ausbilder zu werden und auf der Technikerschule den entsprechenden Schein erworben, übernahm 2016 aber erst einmal eine Gruppenleitstelle in der Montage. „Mitarbeiterführung hat mich schon immer gereizt, weil ich gern mit Menschen arbeite und Wissen weitergebe“, sagt Hänn und setzt lachend hinzu: „Erklären kann ich – und mit jungen Leuten auch.“
Erklären kann ich – und mit jungen Leuten auch.
Michael Hänn, neuer Leiter der Lehrwerkstatt
Nun tritt Hänn zwar in Merz‘ Fußstapfen, geht aber seinen eigenen Weg: Künftig will er die Ausbildungsinhalte digitaler gestalten und plant beispielsweise, Tablets anzuschaffen. Im Metallgrundlehrgang möchte er ein neues Projekt einführen.
Weil aber durch Corona in diesem Jahr auch in der Ausbildung alles anders ist, ist Hänn froh, dass sein Vorgänger ihm noch tatkräftig zur Seite steht. „Alfred Merz ist für mich ein absolutes Vorbild. Er hat eine wahnsinnige Erfahrung, und ich hoffe, dass ich einmal das gleiche Maß an Erfahrung haben werde.“
Vielleicht hilft ihm dabei der Rat, den Alfred Merz „d‘ junge Leit“, wie er seine Azubis nennt, mit auf den Weg gibt: „Seid offen für alles, nehmt so viel mit, wie es geht, scheut euch vor nichts – und traut euch etwas zu.“
Das Ausbildungsteam
Das Team, das sich um die Auszubildenden bei Uhlmann kümmert, wird geleitet von Helga Haag und besteht aus
- Michael Hänn: gewerbliche Azubis
- Matthias Hötzinger: Elektroniker
- Michael Sälzle: Mechatroniker
- Jennifer Herzog: Industriekaufleute
- Linda Schörle: Technische Produktdesigner
- Siegfried Hermann: Fachinformatiker
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